Die europaeische leistungsbasierte Norm zur Inspektion und Klassifizierung von Schutzplanken, Anpralldaempfern und Uebergangskonstruktionen.
EN 1317 ist die harmonisierte europaeische Norm fuer Fahrzeugrueckhaltesysteme. Im Gegensatz zu preskriptiven Konstruktionsnormen klassifiziert EN 1317 Schutzeinrichtungen anhand ihrer Leistung in Anprallpruefungen im Originalmassstab. Die Aufhaltestufen reichen von T1 (Umleitung bei flachem Winkel) bis L4b (sehr hohe Aufhaltestufe fuer schwere Nutzfahrzeuge). Eine EN 1317-basierte Inspektion verfolgt zwei Ziele: die Uebereinstimmung des installierten Systems mit seiner CE-gekennzeichneten Leistungsklasse zu pruefen und den physischen Zustand zu bewerten, damit die Schutzeinrichtung weiterhin wie getestet funktioniert. Dieses Formular erfasst Systemklassifizierung, Installationsgeometrie und eine fuenfstufige Zustandsbewertung, die die Instandhaltungspriorisierung in europaeischen Strassennetzen steuert.

Was ist EN 1317?
EN 1317 (Fahrzeugrueckhaltesysteme) ist die harmonisierte europaeische Norm fuer Schutzplanken, Anpralldaempfer und Endkonstruktionen, klassifiziert anhand von Anprallpruefungen im Originalmassstab. Inspektoren pruefen die Aufhaltestufe von T1 bis H4b, den Wirkungsbereich und die Anprallheftigkeitsklasse und bewerten den physischen Zustand auf einer Skala von 1 (Sehr gut) bis 5 (Sehr schlecht).
- Vollständiger Name
- Fahrzeugrueckhaltesysteme (EN 1317 Serie)
- Herausgeber
- CEN (Europaeisches Komitee fuer Normung)
- Aktuelle Fassung
- EN 1317-1:2010 / EN 1317-2:2010 / EN 1317-5:2007+A2:2012
EN 1317-2 Aufhaltestufen-Klassifizierung
Die Aufhaltestufe ist der primaere Leistungsparameter jedes Fahrzeugrueckhaltesystems und definiert die maximale Fahrzeugmasse-Geschwindigkeits-Kombination, fuer die die Schutzeinrichtung geprueft wurde.
EN 1317-2 definiert eine Hierarchie von Aufhaltestufen, die durch Anprallpruefungen im Originalmassstab mit standardisierten Fahrzeugen bestimmt werden. Diese Klassifizierung ist der wichtigste Parameter bei der Auswahl und Inspektion von Schutzeinrichtungen, da sie bestimmt, ob eine Schutzplanke ein Fahrzeug bestimmter Masse bei bestimmter Geschwindigkeit und Aufprallwinkel sicher umlenken kann. Die Hierarchie umfasst vier Stufen: Flacher Winkel (T-Klasse), Normal (N-Klasse), Hoch (H-Klasse) und Sehr hoch (L-Klasse). Jede hoehere Stufe verwendet schwerere Prueffahrzeuge bei steileren Aufprallwinkeln.
Aufhaltestufen fuer flache Winkel T1, T2 und T3 werden mit einem 1.500 kg Pkw bei Winkeln zwischen 8 und 15 Grad geprueft. Diese eignen sich fuer staedtische Umgebungen mit niedrigen Geschwindigkeiten, wo die frontalen Umlenkungskraefte gering sind. Normale Aufhaltestufen N1 und N2 verwenden einen 1.500 kg Pkw bei 20 Grad und 110 km/h und stellen den Standard fuer die meisten europaeischen Strassenschutzeinrichtungen dar. Der Unterschied zwischen N1 und N2 liegt in der zusaetzlichen Buspruefung: N2-Schutzeinrichtungen muessen auch einen 10.000 kg starren Bus umlenken, was sie zur Standardwahl fuer Landstrassen und zweibahnige Strassen macht.
Hohe Aufhaltestufen H1 bis H3 erhoehen das Prueffahrzeug auf einen 10.000 kg Bus oder einen 16.000 kg Sattelzug. H2 ist die am haeufigsten spezifizierte hohe Aufhaltestufe fuer Autobahnmittelstreifen in ganz Europa. Sehr hohe Aufhaltestufen (H4a, H4b und die L-Klasse-Varianten L1 bis L4b) pruefen gegen 30.000 kg oder 38.000 kg Lkw. L-Klasse-Schutzeinrichtungen werden an besonders risikoreichen Standorten wie Brueckengelaendern ueber Bahnlinien, Kernkraftwerksperimetern und exponierten Hochabschnitten eingesetzt. Bei der Inspektion muss die Aufhaltestufe mit der CE-Kennzeichnung des Systems uebereinstimmen. Eine Abweichung zwischen dem installierten System und der geforderten Aufhaltestufe stellt einen kritischen Konformitaetsmangel dar.
| Stufe | Klasse | Prueffahrzeug | Geschwindigkeit / Winkel | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| T1–T3 | Flacher Winkel | 1.500 kg Pkw | 8–15° / 80–100 km/h | Innerortsstrassen, Tempozonen |
| N1 | Normal | 1.500 kg Pkw | 20° / 80 km/h | Untergeordnete Landstrassen |
| N2 | Normal | 1.500 kg + 10 t Bus | 20° / 110 km/h | Landstrassen, zweibahnige Strassen |
| H1 | Hoch | 10.000 kg Bus | 20° / 70 km/h | Autobahnraender, Unterfuehrungen |
| H2 | Hoch | 13.000 kg Bus | 20° / 70 km/h | Mittelstreifen, Brueckenzufahrten |
| H3 | Hoch | 16.000 kg Lkw | 20° / 80 km/h | Hochrisiko-Boeschungen |
| H4a/H4b | Sehr hoch | 30.000 kg Lkw | 20° / 65 km/h | Brueckengelaender, kritische Infrastruktur |
| L1–L4b | Sehr hoch | 38.000 kg Lkw | 20° / 65–80 km/h | Kernkraftwerksperimeter, Bahnkreuzungen |
Aufhaltestufen sind kumulativ: eine H2-Schutzeinrichtung erfuellt auch N2-, N1- und alle T-Klasse-Anforderungen. Fahrzeugmasse und Geschwindigkeit definieren die kinetische Energie, die die Schutzeinrichtung aufnehmen oder umlenken muss.
Fuer einen vergleichbaren nordamerikanischen Leitplanken-Crashtest-Standard siehe den AASHTO MASH Leitplankenstandard.
Wirkungsbereich (W-Klasse) und Anprallheftigkeit (ASI)
Neben der Aufhaltestufe klassifiziert EN 1317 jede Schutzeinrichtung nach ihrem Wirkungsbereich bei Verformung und der Schwere der Verzoegerungskraefte auf die Fahrzeuginsassen.
Der Wirkungsbereich (Arbeitsbreite) ist der maximale seitliche Abstand zwischen der Vorderseite der unbeschaedigten Schutzeinrichtung und dem am weitesten entfernten Punkt, den ein Teil der Schutzeinrichtung waehrend der Anprallpruefung erreicht. EN 1317 definiert acht Klassen von W1 (0,6 m oder weniger) bis W8 (bis 3,5 m). Dieser Parameter ist entscheidend fuer die Standortplanung: die Strassenbehoerde muss sicherstellen, dass der verfuegbare Raum hinter der Schutzeinrichtung die maximale Verformung aufnimmt. Eine W5-Schutzeinrichtung mit nur 1,0 m Freiraum dahinter ist faktisch nicht konform, da ein umgelenktes Fahrzeug oder die verformte Schutzeinrichtung ein Hindernis innerhalb des Wirkungsbereichs treffen koennte.
Die Anprallheftigkeitsklasse misst die Kraefte, die Fahrzeuginsassen waehrend der Anprallpruefung erfahren, ausgedrueckt durch den Acceleration Severity Index (ASI). Klasse A steht fuer die geringste Heftigkeit (ASI bis 1,0) mit bestem Insassenschutz. Klasse B (ASI bis 1,4) gilt als akzeptabel fuer die meisten Strassenumgebungen. Klasse C (ASI bis 1,9) stellt die hoechste zulaessige Verzoegerung dar und wird typischerweise nur akzeptiert, wo physische Einschraenkungen die Installation eines Systems mit geringerer Heftigkeit verhindern. Bei der Inspektion muss die Wirkungsbereichsklasse gegen den verfuegbaren Freiraum geprueft werden. Wenn sich die Randbedingungen seit der Installation geaendert haben, etwa durch neue Schildermasten, Entwaesserungsbauwerke oder Boeschungserosion, kann der effektive Wirkungsbereich beeintraechtigt sein, auch wenn die Schutzeinrichtung selbst unbeschaedigt ist.
| Klasse | Max. Verformung | Typisches System |
|---|---|---|
| W1 | ≤ 0,6 m | Starre Betonschutzwand (New Jersey / Stufenprofil) |
| W2 | ≤ 0,8 m | Steifer Stahl-Kastentraeger, schwerer Beton |
| W3 | ≤ 1,0 m | Standard-Schutzplanke mit Distanzstueck |
| W4 | ≤ 1,3 m | Doppelwellen-Schutzplanke |
| W5 | ≤ 1,7 m | Flexible Stahlschutzsysteme |
| W6 | ≤ 2,1 m | Seilschutzsysteme (3-Seil) |
| W7 | ≤ 2,5 m | Seilschutzsysteme (4-Seil) |
| W8 | ≤ 3,5 m | Hochverformbare Seilschutzeinrichtungen |
Der Wirkungsbereich wird als maximale dynamische Verformung waehrend der Anprallpruefung gemessen. Planer muessen hinter der Schutzeinrichtung einen Freiraum gleich oder groesser der W-Klasse vorsehen.
Die Fahrzeugintrusionsklasse (VI) ist ein zusaetzlicher Parameter fuer Schutzeinrichtungen mit hoher Aufhaltestufe (H- und L-Klassen). Sie misst, wie weit ein Fahrzeug waehrend der Pruefung ueber die verkehrszugewandte Seite der Schutzeinrichtung hinaus eindringt. Neun VI-Klassen von VI1 (0,6 m) bis VI9 (ueber 3,5 m) definieren diesen Bereich. Bei Brueckengelaendern und Mittelschutzeinrichtungen ist VI oft restriktiver als der Wirkungsbereich, da Fahrzeugintrusion auf der gegenueberliegenden Seite Risiken fuer den Gegenverkehr oder Fussgaenger auf einem Brueckengehweg birgt.
Fuenfstufige Zustandsbewertungsskala (1 bis 5)
Die Zustandsbewertung erzeugt einen Wert von 1 (Sehr gut) bis 5 (Sehr schlecht), der den physischen Zustand des Fahrzeugrueckhaltesystems quantifiziert und definierte Instandhaltungsmassnahmen ausloest.
Waehrend EN 1317 selbst Leistungsklassen durch Anprallpruefungen definiert, schreibt sie keine Zustandsbewertungsmethodik fuer die Inspektion im Betrieb vor. Die fuenfstufige Skala dieses Formulars ist aus etablierten europaeischen Praktiken des Strassenbestandsmanagements abgeleitet, darunter UK CS 461 und CEDR-Richtlinien, und ist mit den Leistungsanforderungen von EN 1317 kompatibel. Die Skala liefert handlungsrelevante Ergebnisse: jede Bewertung ist direkt einer Instandhaltungsreaktion zugeordnet, von keiner Massnahme bis hin zu sofortigem Eingreifen.
Eine Bewertung von 1 (Sehr gut) zeigt eine neue oder neuwertige Installation mit intakter Verzinkung, korrekter Geometrie und voller Konformitaet mit der EN 1317-Installationsanleitung an. Bewertung 2 (Gut) umfasst oberflaechlichen Verschleiss wie geringfuegige Oxidationsmattierung verzinkter Beschichtungen oder kosmetische Kratzer durch routinemaessige Unterhaltungsarbeiten wie Maehen. Weder Bewertung 1 noch 2 erfordert korrigierende Massnahmen ueber die laufende Routineueberwachung hinaus.
| Bewertung | Zustand | Beschreibung | Erforderliche Massnahme |
|---|---|---|---|
| 1 | Sehr gut (Neuzustand) | Keine Maengel, Verzinkung intakt, Geometrie konform | Keine Massnahme |
| 2 | Gut (Geringfuegige Maengel) | Oberflaechlicher Verschleiss, leichte Oxidation, kosmetische Kratzer | Ueberwachung bei naechster Routineinspektion |
| 3 | Befriedigend (Funktionsfaehig) | Oberflaechenkorrosion ohne Querschnittsverlust, leichte Abweichung, lose Unterlegscheiben | Instandhaltung planen (Nachziehen/Reinigen) |
| 4 | Schlecht (Beeintraechtigt) | Anprallbeulen >50 mm, starker Lochfrass, fehlende Teile, Pfosten >15° Neigung | Reparatur erforderlich — Leistung wahrscheinlich reduziert |
| 5 | Sehr schlecht (Gefaehrlich) | Holm losgeloest/fehlend, Pfosten abgeschert, geknicktes Profil, Aufspiessungsgefahr | Sofortmassnahme (24 Std.) |
Bewertungen 3–5 erfordern Pflicht-Fotodokumentation. Bewertung 4 impliziert, dass das System seine zertifizierte Aufhaltestufe moeglicherweise nicht mehr erreicht. Bewertung 5 bedeutet, dass die Schutzeinrichtung selbst eine Gefahr darstellen kann.
Bewertung 3 (Befriedigend) markiert den Uebergang zu Zustaenden, die planmaessige Instandhaltung erfordern. Oberflaechenkorrosion ist sichtbar, hat aber noch keinen messbaren Querschnittsverlust im Stahlprofil verursacht. Geringfuegige Pfostenabweichungen koennen vorhanden sein, sofern sie nicht durch Fahrzeuganprall verursacht wurden. Lose Unterlegscheiben oder leicht herausgedrehte Schrauben sind typische Befunde der Bewertung 3. Bewertung 4 (Schlecht) zeigt Maengel an, die die EN 1317-Leistungsklasse wahrscheinlich reduzieren. Anprallbeulen ueber 50 mm Tiefe, starke Lochfrasskorrosion, fehlende Bauteile wie Kappen oder Distanzstuecke und Pfosten mit mehr als 15 Grad Neigung loesen Bewertung 4 aus. Das System kann auf dieser Stufe ein Fahrzeug moeglicherweise nicht mehr auf der zertifizierten Aufhaltestufe zurueckhalten.
Bewertung 5 (Sehr schlecht) stellt ein effektives Systemversagen dar. Holmabschnitte sind losgeloest oder fehlen vollstaendig. Pfosten sind abgeschert, vollstaendig korrodiert oder bei Holzsystemen an der Basis verfault. Anprallschaeden haben das Holmprofil geknickt und eine potenzielle Aufspiessungsgefahr fuer auftreffende Fahrzeuge geschaffen. Eine Schutzeinrichtung der Bewertung 5 ist nicht nur funktionslos: sie kann selbst eine zusaetzliche Gefahr fuer Verkehrsteilnehmer darstellen. Notmassnahmen oder vollstaendiger Ersatz sind innerhalb von 24 Stunden erforderlich, solange Verkehrsexposition besteht. Im Formular loest eine Zustandsbewertung von 3, 4 oder 5 eine Pflicht zur Fotodokumentation aus, um den Mangel fuer die nachfolgende Ingenieurbeurteilung zu dokumentieren.
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Ueberpruefung der Installationsgeometrie gegen Pruefbedingungen
Da EN 1317 leistungsbasiert ist, funktioniert die Schutzeinrichtung nur dann wie geprueft, wenn ihre Installationsgeometrie den Bedingungen der Anprallpruefung entspricht.
Ein zentrales Prinzip von EN 1317 ist, dass ein Schutzsystem nur als vollstaendige Baugruppe zertifiziert wird: Holmprofil, Pfostentyp, Pfostenabstand, Distanzstueck-Abmessungen und Montagehoehe waren alle waehrend der Anprallpruefung im Originalmassstab vorhanden. Die Aenderung eines einzigen Parameters kann die Leistungszertifizierung ungueltig machen. Dies macht die Ueberpruefung der Installationsgeometrie zu einem kritischen Bestandteil jeder EN 1317-Inspektion und unterscheidet sie von reinen Zustandsbewertungen einfacherer Anlagen.
Der Pfostenabstand ist die haeufigste Quelle fuer Nichtkonformitaet. Hersteller pruefen ihre Systeme bei bestimmten Pfostenintervallen, typischerweise 1,33 m, 2,0 m oder 4,0 m. Wenn Instandhaltungsteams Pfosten in groesserem Abstand als geprueft ersetzt haben oder wenn Pfosten nach Fahrzeuganprallen fehlen, aendert sich die Systemsteifigkeit und die Schutzeinrichtung kann ein Fahrzeug moeglicherweise nicht wie vorgesehen umlenken. Das Formular erfasst den Pfostenabstand als numerisches Feld mit einem Maximum von 10,0 m, und der Inspektor sollte den gemessenen Wert mit der Installationsanleitung des Herstellers vergleichen.
Die Holmhoehe, gemessen vom fertigen Gelaendeniveau bis zur Oberkante des obersten Holms, bestimmt die Fahrzeugeingriffszone. Eine zu niedrig installierte Schutzeinrichtung kann ein Fahrzeug darueber hinwegfliegen lassen. Eine zu hoch montierte Schutzeinrichtung erfasst moeglicherweise nicht die Stossstange, sondern greift an der Fahrzeugkarosserie an und erhoeht das Ueberschlagrisiko. Der gueltige Bereich im Formular betraegt 0,50 m bis 1,80 m. Standard-Schutzplanken werden typischerweise bei 0,73 m bis 0,76 m installiert, waehrend Hochaufhaltesysteme mit Doppel- oder Dreifachholmen 1,40 m oder hoeher erreichen koennen. Gelaendeerosion, Setzungen oder Oberflaechenbelaege koennen die effektive Holmhoehe im Laufe der Zeit schleichend veraendern, sodass eine Nachmessung bei jedem Inspektionszyklus unerlaeesslich ist.
Der Abstand von der Fahrbahnkante zur Schutzeinrichtung, die Bodenbedingungen unter den Pfosten und der Gruendungstyp beeinflussen alle, wie Kraefte waehrend eines Anpralls uebertragen werden. Ein gerammter Pfosten in verdichtetem Boden verhaelt sich sehr anders als ein mit Fussplatte verschraubter Pfosten auf einer Brueckenfahrbahn. Wenn sich die Bodenbedingungen durch Erosion oder Staunaesse seit der Installation verschlechtert haben, kann die Pfostenstabilitaet beeintraechtigt sein, selbst wenn die oberirdischen Bauteile intakt erscheinen. Das Formular erfasst diese Parameter, um ein vollstaendiges Bild zu erstellen, ob die installierte Geometrie noch der geprueften Baugruppe entspricht.
Fuer die Inspektion von brueckenmontierten Schutzeinrichtungen im deutschen Regelwerk siehe den DIN 1076 Brueckeninspektionsstandard.
Bauteilbezogene Schadensbeurteilung
Ueber die Gesamtzustandsbewertung hinaus erfasst das Formular detaillierte Schadensdaten fuer einzelne Schutzeinrichtungskomponenten, um gezielte Reparaturen statt vollstaendigem Systemersatz zu ermoeglichen.
Das Feld Holm-/Traegerzustand bewertet das primaere Rueckhalteelement. Die Optionen reichen von Intakt ueber progressive Korrosionsstufen (geringfuegig, maessig, stark mit Querschnittsverlust) bis zu Anprallschaeden (geringfuegige Beule versus schwere Knickung). Ein geknicktes Holmprofil ist besonders gefaehrlich, da die Schutzeinrichtung bei einem nachfolgenden Anprall als Rampe oder Spiess wirken kann, anstatt das Fahrzeug gleichmaessig umzulenken. Losgeloeste oder fehlende Holmabschnitte stellen eine vollstaendige Luecke in der Rueckhaltung dar.
Der Pfostenzustand wird unabhaengig bewertet, da Pfosten versagen koennen, waehrend der Holm intakt erscheint. Das Formular erfasst Vertikalitaet (stabil, Neigung unter 15 Grad, Neigung ueber 15 Grad), Gruendungsintegritaet (lockere Gruendung), materialspezifische Verschlechterung (Faeulnis bei Holz, Korrosion bei Stahl), Anprallschaeden und fehlende Pfosten. Ein Pfosten mit mehr als 15 Grad Neigung hat einen erheblichen Teil seiner seitlichen Tragfaehigkeit verloren und loest eine Bewertung von 4 oder schlechter aus.
Verbindungsmittel erhalten eine eigene Beurteilung, da sie die am haeufigsten beeintraechtigte Komponente in einer ansonsten intakten Schutzeinrichtung sind. Stossschrauben verbinden Holmabschnitte stirnseitig, waehrend Pfostenschrauben den Holm ueber Distanzstuecke an den Pfosten befestigen. Lose Schrauben ermoeglichen Relativbewegungen zwischen Bauteilen beim Anprall und verringern die Faehigkeit des Systems, die Last ueber seine Laenge zu verteilen. Fehlende oder abgescherte Schrauben stellen eine schwerwiegendere Versagensart dar. Bei Seilschutzsystemen ersetzt das Feld Spannung die Pfostensteifigkeitspruefung: korrekte Seilspannung ist essentiell, damit das System Energie durch Verformung aufnehmen kann. Ein uebermaeessig lockeres Seil erfasst das Fahrzeug moeglicherweise gar nicht, waehrend ein ueberspanntes Seil uebermaeessige Kraefte auf die Verankerungspunkte uebertraegt.
Das wiederholbare Maengel-Unterformular ermoeglicht Inspektoren, mehrere einzelne Maengel entlang eines einzelnen Schutzeinrichtungsabschnitts zu erfassen, ohne separate Inspektionsberichte zu erstellen. Ein 100-Meter-Abschnitt einer H2-Schutzeinrichtung ist ein einzelnes Asset, kann aber eine lose Schraube bei Meter 10 und einen Anprallschaden bei Meter 80 aufweisen. Jeder Mangeleintrag erfasst den Bauteiltyp, die Position entlang der Schutzeinrichtung, den Schweregrad (Niedrig, Mittel, Hoch), ein Foto und Freitextnotizen. Diese granularen Daten ermoeglichen es Instandhaltungsteams, gezielte Reparaturen zu planen, anstatt den gesamten Abschnitt als einen einzigen Zustand zu behandeln.
Die EN 1317-Serie wird veroeffentlicht vom CEN (Europaeisches Komitee fuer Normung).
Fuer detaillierte technische Spezifikationen einzelner Schutzeinrichtungsprodukte veroeffentlichen Hersteller Leistungserklaerungen gemaess der Bauproduktenverordnung (EU Nr. 305/2011).
Häufig gestellte Fragen
Was ist EN 1317?
EN 1317 ist die harmonisierte europaeische Normenserie fuer Fahrzeugrueckhaltesysteme. Sie klassifiziert Schutzplanken, Anpralldaempfer, Endkonstruktionen und Uebergangskonstruktionen nach ihrer Leistung in Anprallpruefungen im Originalmassstab und definiert Aufhaltestufe, Wirkungsbereich und Anprallheftigkeit. Permanente Systeme in Europa erfordern CE-Kennzeichnung nach EN 1317-5.
Was ist der Unterschied zwischen Aufhaltestufe N2 und H2?
N2-Schutzeinrichtungen werden mit einem 1.500 kg Pkw und einem 10.000 kg Bus bei 110 km/h und 20 Grad geprueft. H2-Schutzeinrichtungen muessen zusaetzlich einen 13.000 kg Bus bei 70 km/h umlenken. H2 ist die Standardspezifikation fuer Autobahnmittelstreifen, da sie das Ueberfahren schwerer Fahrzeuge in den Gegenverkehr verhindert.
Was bedeutet Wirkungsbereich (W-Klasse) bei EN 1317?
Der Wirkungsbereich ist die maximale seitliche Verformung der Schutzeinrichtung waehrend einer Anprallpruefung, gemessen von der unbeschaedigten Vorderseite bis zum am weitesten verformten Punkt. Acht Klassen von W1 (0,6 m) bis W8 (3,5 m) definieren, wie viel Raum hinter der Schutzeinrichtung freigehalten werden muss.
Ist die CE-Kennzeichnung nach EN 1317 verpflichtend?
Ja. Seit 2011 muessen alle permanent installierten Fahrzeugrueckhaltesysteme im Europaeischen Wirtschaftsraum eine CE-Kennzeichnung nach EN 1317-5 (harmonisierte Produktnorm) und der Bauproduktenverordnung tragen. Temporaere Schutzeinrichtungen waehrend Bauarbeiten koennen je nach nationaler Regelung ausgenommen sein.
Wie oft sollten EN 1317-Schutzeinrichtungen inspiziert werden?
Die Inspektionshaeufigkeit variiert je nach nationalem Strassenbaulasttraeger, aber die meisten europaeischen Laender verlangen eine allgemeine Sichtpruefung alle 1 bis 2 Jahre und eine detaillierte Zustandserfassung alle 3 bis 6 Jahre. Schutzeinrichtungen an Hochgeschwindigkeits-Autobahnen und Bruecken werden typischerweise haeufiger inspiziert.
Was ist die Anprallheftigkeitsklasse (ASI) bei EN 1317?
Der Acceleration Severity Index misst die Verzoegerungskraefte auf Insassen waehrend einer Anprallpruefung. Klasse A (ASI bis 1,0) bietet den besten Schutz. Klasse B (bis 1,4) ist fuer die meisten Strassen akzeptabel. Klasse C (bis 1,9) ist nur dort zulaessig, wo Platzeinschraenkungen die Installation eines weniger heftigen Systems verhindern.
Kann eine beschaedigte EN 1317-Schutzeinrichtung ihre zertifizierte Aufhaltestufe noch erreichen?
Nicht zuverlaessig. EN 1317 zertifiziert vollstaendige Baugruppen im Pruefzustand. Anprallschaeden, fehlende Pfosten, falsche Holmhoehe oder korrosionsbedingter Querschnittsverlust koennen die effektive Aufhaltestufe reduzieren. Eine Zustandsbewertung von 4 (Schlecht) im Inspektionsformular zeigt an, dass die Schutzeinrichtung wahrscheinlich unter ihrer Nennklasse arbeitet.
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