Der deutsche Bundesstandard fuer die systematische Biotopkartierung, Klassifizierung und oekologische Bewertung nach BKompV.
Die BfN Biotoptypenkartierung ist Deutschlands massgebliche Methodik zur Identifizierung, Klassifizierung und Bewertung von Biotopen im Rahmen der Eingriffsregelung. Veroeffentlicht vom Bundesamt fuer Naturschutz (BfN) in BfN-Schriften 721, liefert dieser Standard die Kartieranleitung fuer Anlage 2 der Bundeskompensationsverordnung (BKompV). Er ermoeglicht eine einheitliche Biotopbewertung bei allen Bundesinfrastrukturprojekten und uebersetzt oekologische Beobachtungen in ein standardisiertes Punktbewertungssystem fuer rechtsverbindliche Kompensationsberechnungen.

Was ist BfN Biotope Survey?
Die BfN Biotoptypenkartierung ist die deutsche Bundesstandard-Methodik zur Kartierung und Bewertung von Biotopen nach der Bundeskompensationsverordnung (BKompV). Kartierer klassifizieren Biotoptypen aus einem Katalog von rund 668 Eintraegen und weisen einen Biotopwert von 0 bis 24 Punkten zur Berechnung der Naturschutz-Kompensation zu.
- Vollständiger Name
- Kartieranleitung fuer die Biotoptypen nach Anlage 2 der Bundeskompensationsverordnung (BfN-Schriften 721)
- Herausgeber
- BfN (Bundesamt fuer Naturschutz)
- Aktuelle Fassung
- BfN-Schriften 721 (2025)
Das BfN Biotoptypen-Klassifizierungssystem (Anlage 2 BKompV)
Das Klassifizierungssystem ordnet jedem Biotop einen hierarchischen numerischen Code aus einem standardisierten Katalog von rund 668 Typen zu, der die Grundlage fuer alle nachfolgenden Bewertungen bildet.
Der Kern der BfN Biotoptypenkartierung ist die Biotoptypen-Klassifizierung nach Anlage 2 der Bundeskompensationsverordnung (BKompV). Dieser Klassifizierungskatalog enthaelt rund 668 verschiedene Biotoptypen, die in einem hierarchischen numerischen Codesystem organisiert sind. Jeder Code besteht aus zwei bis vier durch Punkte getrennten Zahlensegmenten mit optionalen Buchstabensuffixen fuer Untertypen. Beispielsweise bezeichnet der Code 34.02a "Halbtrockenrasen auf karbonatischem Untergrund", waehrend 41.01 den "Hainsimsen-Buchenwald" identifiziert. Die hierarchische Struktur gruppiert verwandte Biotope unter gemeinsamen Hauptkategorien: Codes ab 02 umfassen marine und Kuestenbiotope, 33 bis 37 decken Offenlandbiotope von Heiden bis Grossseggenriedern ab, 41 bis 44 repraesentieren Waldtypen und Codes ueber 50 klassifizieren anthropogene oder staedtische Biotoptypen.
Jede Biotopflaeche wird weiter als Hauptbiotop, Begleitbiotop oder Komplexflaeche kategorisiert. Ein Hauptbiotop ist der dominierende Habitattyp, der den groessten Anteil der kartierten Einheit einnimmt. Ein Begleitbiotop ist ein untergeordneter Habitattyp, der innerhalb derselben raeumlichen Einheit vorkommt, aber einen geringeren Flaechenanteil einnimmt. Die Bezeichnung Komplexflaeche gilt, wenn zwei oder mehr Biotoptypen so fein durchmischt sind, dass sie im Kartiermassstab nicht sinnvoll getrennt werden koennen. Diese Unterscheidung ist relevant, weil die Bewertungsberechnung den Flaechenanteil jedes Biotoptyps als Multiplikator verwendet.
| Code | Biotoptyp | Englische Uebersetzung | Grundwert (WP) |
|---|---|---|---|
| 02.01.01.01 | Felsen-/Steingrund mit Epibenthos | Rock/stone substrate with epibenthic communities | 17 |
| 33.01 | Zwergstrauchheiden | Dwarf shrub heathlands | 15–21 |
| 34.02a | Halbtrockenrasen (Kalk) | Semi-dry grassland (calcareous) | 21 |
| 35.01a | Kalkreiches Niedermoor | Calcareous fen | 24 |
| 37.01 | Grossseggenried | Tall-sedge marsh | 20 |
| 41.01 | Hainsimsen-Buchenwald | Woodrush beech forest | 18 |
| 51.11a | Sport/Spiel/Erholung (versiegelt) | Sports/recreation area (sealed) | 0 |
Der vollstaendige Katalog der Anlage 2 BKompV enthaelt rund 668 Biotoptypen. Grundwerte reichen von 0 fuer vollstaendig versiegelte anthropogene Flaechen bis 24 fuer die oekologisch wertvollsten natuerlichen Lebensraeume.
Der Kartierer muss ausserdem den geltenden gesetzlichen Schutzstatus erfassen. Das deutsche Recht bietet drei sich ueberlappende Ebenen des Biotopschutzes: Paragraph 30 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) schuetzt bestimmte Lebensraumtypen bundesweit, FFH-Lebensraumtyp-Bezeichnungen gelten unter EU-Recht fuer Gebiete im Natura-2000-Netzwerk, und einzelne Landesrecht-Bestimmungen koennen weitere Schutzkategorien hinzufuegen. Im digitalen Formular akzeptiert das Feld Gesetzlicher Schutz mehrere gleichzeitige Auswahlen, da ein einzelnes Biotop unter alle drei Schutzkategorien fallen kann.
Fuer eine vergleichbare britische Habitat-Klassifizierungsmethodik siehe den JNCC Phase 1 Habitat Survey Standard.
Das 0-bis-24-Biotopwert-Bewertungssystem (BKompV Paragraph 5)
Der Biotopwert ist die primaere quantitative Ausgabe der BfN-Kartierung, ausgedrueckt als Punktwert von 0 bis 24, der rechtsverbindliche Kompensationsberechnungen steuert.
Die Bundeskompensationsverordnung (BKompV) Paragraph 5 definiert ein punktbasiertes Bewertungssystem, bei dem jeder Biotoptyp einen Grundwert zwischen 0 und 24 Wertpunkten erhaelt. Dieser Grundwert spiegelt die intrinsische oekologische Bedeutung des Biotoptyps unter ungestoerten, typischen Bedingungen wider. Eine vollstaendig versiegelte Sportanlage (Code 51.11a) hat einen Grundwert von 0 Punkten, da sie im Wesentlichen keine oekologische Funktion bietet. Am anderen Ende erhaelt ein kalkreiches Niedermoor (Code 35.01a) den maximalen Grundwert von 24 Punkten, was seine aussergewoehnliche Biodiversitaet, Seltenheit und Unersetzbarkeit widerspiegelt. Der Grundwert wird durch den waehrend der Kartierung gewaehlten Klassifizierungscode vorbestimmt und unterliegt keiner Feldinterpretation.
| Punkte (Biotopwert) | Wertstufe | Englische Uebersetzung | Kompensationsbedeutung |
|---|---|---|---|
| 0–4 | Sehr gering | Very Low | Minimale Kompensation erforderlich |
| 5–9 | Gering | Low | Grundlegende Kompensationsmassnahmen |
| 10–15 | Mittel | Medium | Standardkompensationsverhaeltnisse gelten |
| 16–18 | Hoch | High | Erweiterte Kompensation oder Ausgleichsmassnahmen |
| 19–21 | Sehr hoch | Very High | Erhebliche Kompensationsflaeche erforderlich |
| 22–24 | Hervorragend | Outstanding | Hoechste Kompensation, Vermeidung bevorzugt |
Wertstufen sind in BKompV Paragraph 5 Absatz 2 definiert. Der Gesamt-Biotopwert entspricht dem Grundwert plus der Auf-/Abwertung, begrenzt zwischen 0 und 24.
Der endgueltige Gesamt-Biotopwert wird als Grundwert plus Auf-/Abwertung berechnet, begrenzt auf den Bereich von 0 bis 24. Dieser Wert wird dann einer von sechs Wertstufen zugeordnet, die in BKompV Paragraph 5 Absatz 2 definiert sind. Die Wertstufe bestimmt den Kompensationsmultiplikator, der angewandt wird, wenn ein Infrastrukturprojekt das Biotop beeintraechtigt. Die Zerstoerung eines Biotops mit der Wertstufe "hervorragend" erfordert wesentlich mehr Kompensationsflaeche oder oekologische Ausgleichsmassnahmen als die Beeintraechtigung eines Biotops mit "geringem" Wert. Diese direkte Verbindung zwischen Feldkartierungsergebnissen und rechtlichen Kompensationsanforderungen macht eine praezise Klassifizierung und Bewertung unverzichtbar.
Auf-/Abwertung: Anpassung des Biotopwerts um bis zu 3 Punkte
BKompV Paragraph 5 erlaubt Kartierern, den Grundwert um -3 bis +3 Punkte basierend auf dem tatsaechlichen Zustand des spezifischen Biotopvorkommens anzupassen.
Der Auf-/Abwertungs-Mechanismus ist die zentrale Feldentscheidung bei der BfN Biotoptypenkartierung. Waehrend der Grundwert durch den Klassifizierungscode festgelegt ist, spiegelt die Anpassung die oekologische Qualitaet des konkreten Biotopvorkommens im Vergleich zur typischen Auspraegung dieses Typs wider. BKompV Paragraph 5 Absatz 1 erlaubt Anpassungen von -3 bis +3 Punkten in ganzen Schritten. Ein Wert von 0 bedeutet, dass das Biotop seiner erwarteten typischen Auspraegung entspricht. Positive Anpassungen (+1 bis +3) weisen auf ueberdurchschnittliche Qualitaet hin, etwa aussergewoehnlich grosse Flaeche, hohe Artenvielfalt, Vorhandensein seltener Strukturmerkmale oder hervorragende Vernetzung mit angrenzenden natuerlichen Lebensraeumen. Negative Anpassungen (-1 bis -3) zeigen unterdurchschnittliche Qualitaet an, wie Zerschneidung, Artenarmut, Degradation durch Eutrophierung oder Isolation von anderen Naturfaechen.
Die Anpassungsentscheidung wird durch drei im Standard definierte Bewertungskriterien unterstuetzt: Flaeche, Ausstattung und Lage. Das Kriterium Flaeche vergleicht die Patchgroesse mit dem, was fuer den Biotoptyp typisch ist. Eine ungewoehnlich grosse zusammenhaengende Halbtrockenrasenflaeche wuerde eine positive Flaechenbewertung rechtfertigen, waehrend ein winziges Restfragment eine negative Bewertung erhalten wuerde. Das Kriterium Ausstattung bewertet Vorhandensein und Qualitaet abiotischer und biotischer Merkmale wie Totholz, Hohlenbaeume, Gewaesser und Felsaufschluesse. Ein Buchenwald mit reichlich Hohlenbaeumen und einer vielfaeltigen Krautschicht verdient eine hoehere Ausstattungsbewertung als ein strukturarmer Reinbestand. Das Kriterium Lage bewertet, wie gut das Biotop mit umgebenden natuerlichen Lebensraeumen und Landschaftskorridoren vernetzt ist. Ein gut vernetztes Feuchtgebiet innerhalb eines Korridors von Auenlebensraeumen erhaelt eine hoehere Bewertung als eine isolierte Flaeche, umgeben von intensiver Landwirtschaft.
| Anpassung | Richtung | Bedeutung | Typische Begruendung |
|---|---|---|---|
| +3 | Aufwertung | Aussergewoehnliche Qualitaet | Herausragende Flaeche, Artenreichtum und Vernetzung kombiniert |
| +2 | Aufwertung | Deutlich ueberdurchschnittlich | Zwei oder mehr Kriterien klar ueberdurchschnittlich |
| +1 | Aufwertung | Leicht ueberdurchschnittlich | Ein Kriterium deutlich ueberdurchschnittlich |
| 0 | Keine Aenderung | Typischer Zustand | Alle Kriterien auf erwartetem Niveau fuer diesen Typ |
| -1 | Abwertung | Leicht unterdurchschnittlich | Ein Kriterium deutlich unterdurchschnittlich |
| -2 | Abwertung | Deutlich unterdurchschnittlich | Zwei oder mehr Kriterien klar unterdurchschnittlich |
| -3 | Abwertung | Stark degradiert | Starke Defizite bei allen drei Kriterien |
Anpassungen sind nach BKompV Paragraph 5 Absatz 1 zulassig. Eine schriftliche Begruendung ist fuer jede Nicht-Null-Anpassung erforderlich.
Wenn die Auf-/Abwertung nicht 0 betraegt, muss der Kartierer eine schriftliche Begruendung angeben. Diese Begruendung muss die spezifischen Kriterien nennen, die die Anpassung informiert haben. Die Pflicht zur dokumentierten Begruendung gewaehrleistet Konsistenz zwischen Kartierern, die am selben Projekt arbeiten, und bietet eine Pruefspur fuer die behoerdliche Ueberpruefung. In Rechtsverfahren wurden ungenuegend begruendete Anpassungen angefochten und aufgehoben, was eine gruendliche Dokumentation fuer verteidigungsfaehige Eingriffsbewertungen unverzichtbar macht.
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Erfassung von Beeintraechtigungen und Gefaehrdungen
Die Beeintraechtigungserfassung dokumentiert aktive negative Einfluesse auf das Biotop und liefert wichtigen Kontext fuer die Wertanpassung und Kompensationsplanung.
BKompV Paragraph 5 Absatz 3 verlangt die Dokumentation von Beeintraechtigungen, die die oekologische Funktion des Biotops aktiv beeintraechtigen. Das BfN-Kartierungsformular erfasst fuenf Kategorien von Beeintraechtigungen: Versiegelung (Bodenversiegelung), Naehrstoffeintrag (Eutrophierung), Zerschneidung (Lebensraumzerschneidung), Entwaesserung und Trittschaeden. Jede Beeintraechtigung kann unabhaengig oder in Kombination auftreten. Ein Feuchtbiotop neben landwirtschaftlicher Nutzflaeche koennte gleichzeitig unter Naehrstoffeintrag durch Abfluss, Entwaesserung durch angrenzende Graeben und Zerschneidung durch eine das Habitatkorridor durchschneidende Strasse leiden.
| Beeintraechtigungstyp | Deutscher Begriff | Intensitaetsstufen | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Bodenversiegelung | Versiegelung | Gering / Mittel / Hoch | Teilversiegelung an Habitatraendern |
| Naehrstoffeintrag | Naehrstoffeintrag | Gering / Mittel / Hoch | Landwirtschaftlicher Abfluss verursacht Eutrophierung |
| Zerschneidung | Zerschneidung | Gering / Mittel / Hoch | Strasse oder Zaun zerschneidet den Lebensraum |
| Entwaesserung | Entwaesserung | Gering / Mittel / Hoch | Graeben senken Grundwasserspiegel in Feuchtgebieten |
| Trittschaeden | Trittschaeden | Gering / Mittel / Hoch | Freizeitbedingter Fussgaengerverkehr verdichtet den Boden |
Die Beeintraechtigungsintensitaet folgt BKompV Paragraph 5 Absatz 3. Pro Biotop koennen mehrere Beeintraechtigungen mit unabhaengigen Intensitaetsbewertungen erfasst werden.
Jede erfasste Beeintraechtigung erhaelt eine Intensitaetsklassifizierung als Gering, Mittel oder Hoch. Geringe Intensitaet zeigt an, dass die Beeintraechtigung vorhanden ist, aber die Artenzusammensetzung oder oekologische Funktion des Biotops noch nicht wesentlich veraendert hat. Mittlere Intensitaet bedeutet, dass die Beeintraechtigung den Lebensraum aktiv degradiert, mit nachweisbaren Veraenderungen der Artenzusammensetzung oder Strukturmerkmale. Hohe Intensitaet signalisiert, dass die Beeintraechtigung erheblichen oekologischen Schaden verursacht hat oder den Fortbestand des Biotoptyps an diesem Standort gefaehrdet. Die Intensitaetsklassifizierung informiert direkt die Wertanpassung: Ein Biotop mit mehreren hochintensiven Beeintraechtigungen wuerde typischerweise eine negative Auf-/Abwertung erhalten, waehrend ein Biotop in ausgezeichnetem Zustand trotz geringer Beeintraechtigungen eine positive Anpassung verdienen kann.
Fuer ein einzelnes Biotop koennen mehrere Beeintraechtigungen erfasst werden, da die Beeintraechtigungsgruppe im Formular wiederholbare Eintraege unterstuetzt. Dies ist wichtig, weil oekologische Degradation oft das Ergebnis kumulativer Belastungen und nicht einer einzelnen Ursache ist. Eine stadtrandnahe Heide koennte gleichzeitig Trittschaeden durch Freizeitnutzung, Naehrstoffeintrag durch Strassenabfluss und Zerschneidung durch umgebende Bebauung erfahren. Die separate Erfassung jeder Beeintraechtigung stellt sicher, dass das vollstaendige Belastungsprofil fuer Kompensationsplanung und Langzeitmonitoring dokumentiert wird.
Fuer einen verwandten Ansatz zur oekologischen Habitatbewertung siehe den JNCC Phase 1 Habitat Survey.
Feldkartierungsprozess: Von der Identifikation zur Bewertung
Die BfN-Kartierung folgt einem strukturierten sechsstufigen Feldarbeitsablauf, der oekologische Beobachtungen in rechtsverbindliche Punktbewertungen uebersetzt.
Die BfN Biotoptypenkartierung folgt einem definierten Feldarbeitsablauf. Der Kartierer beginnt mit der Abgrenzung der raeumlichen Grenze der Biotopflaeche, weist eine Flaechen-ID zu und erfasst den Geometrietyp als Polygon, Linie oder Punkt. Die meisten Biotopflaechen werden als Polygone kartiert, aber lineare Elemente wie Hecken oder Uferbereiche und Punktelemente wie einzelne Quellen oder geologische Aufschluesse werden als Linien bzw. Punkte erfasst. Das Feld Kartierstatus unterscheidet zwischen einer Neuerfassung, die erstmals durchgefuehrt wird, einer Aktualisierung, die ein zuvor kartiertes Biotop erneut aufsucht, und einer Ueberpruefung, die bestaetigt, ob die fruehere Klassifizierung noch korrekt ist.
Nach der Abgrenzung weist der Kartierer den Biotoptyp-Code aus dem Katalog der Anlage 2 BKompV zu. Diese Klassifizierungsentscheidung muss durch dokumentierte Nachweise gestuetzt werden: Der Kartierer erfasst die dominanten Pflanzenarten, die den Lebensraum charakterisieren, die aktuelle Nutzung bzw. das Pflegeregime und etwaige bemerkenswerte Strukturmerkmale wie Totholz, Hohlenbaeume oder Gewaesser. Die Fotodokumentation ist obligatorisch, wobei mindestens ein Referenzfoto pro Biotopflaeche erforderlich ist. Diese Nachweisfelder liefern gemeinsam die Begruendung fuer den gewaehlten Klassifizierungscode und unterstuetzen die Qualitaetspruefung durch Projektkoordinatoren.
Die Bewertungsphase weist den Grundwert aus dem Katalog zu, wendet die Auf-/Abwertung basierend auf den drei Qualitaetskriterien an und berechnet den Gesamt-Biotopwert. Der Kartierer dokumentiert dann alle aktiven Beeintraechtigungen mit ihren jeweiligen Intensitaetsstufen. Der vollstaendige Kartierungsdatensatz fuer jede Biotopflaeche enthaelt somit die raeumliche Referenz, Klassifizierungsnachweise, numerische Bewertung und Beeintraechtigungsdokumentation, die fuer eine BKompV-konforme Eingriffsbewertung erforderlich sind.
Die aktuelle Kartieranleitung ist veroeffentlicht in BfN-Schriften 721, erhaeltlich ueber das Bundesamt fuer Naturschutz.
Die BKompV-Gesetzgebung ist zugaenglich ueber Gesetze im Internet.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die BfN Biotoptypenkartierung?
Die BfN Biotoptypenkartierung ist die deutsche Bundesmethodik zur Kartierung und Bewertung von Biotopen nach der Bundeskompensationsverordnung (BKompV). Kartierer klassifizieren Biotope aus einem standardisierten Katalog von rund 668 Typen und weisen einen Wert von 0 bis 24 Punkten fuer Kompensationsberechnungen bei Umweltauswirkungen zu.
Wie wird der Biotopwert berechnet?
Der Biotopwert wird berechnet, indem zum Grundwert (bestimmt durch den Biotoptyp-Code aus Anlage 2 BKompV) die Auf-/Abwertung (Anpassung von -3 bis +3 Punkten basierend auf der Feldqualitaet) addiert wird. Das Ergebnis wird auf 0 bis 24 Punkte begrenzt und einer von sechs Wertstufen zugeordnet.
Was ist die Auf-/Abwertung bei der BfN Biotopkartierung?
Die Auf-/Abwertung ist eine Wertanpassung von -3 bis +3 Punkten auf den Grundwert. Sie spiegelt wider, ob das spezifische Biotopvorkommen ueber- oder unterdurchschnittlich zum typischen Zustand seines Typs steht, basierend auf drei Kriterien: Flaeche, Ausstattung und Lage.
Ist die BfN Biotopkartierung in Deutschland verpflichtend?
Die BfN Biotopkartierung ist fuer alle Bundesinfrastrukturprojekte verpflichtend, die eine Naturkompensation nach der Bundeskompensationsverordnung (BKompV) erfordern. Projekte auf Landesebene koennen aehnlichen Methodiken nach Landesrecht folgen. Die BKompV trat 2020 in Kraft und gilt fuer Eingriffe in Natur und Landschaft.
Welche Qualifikationen sind fuer eine BfN Biotopkartierung erforderlich?
Biotopkartierer muessen ueber spezielles botanisches und oekologisches Wissen verfuegen, um Pflanzengesellschaften korrekt zu bestimmen und Biotoptyp-Codes zuzuordnen. In der Praxis werden Kartierungen von ausgebildeten Oekologen, Vegetationswissenschaftlern oder Umweltgutachtern mit nachgewiesener Kompetenz in Habitatklassifizierung und deutschem Naturschutzrecht durchgefuehrt.
Was ist der Unterschied zwischen Hauptbiotop und Begleitbiotop?
Ein Hauptbiotop ist der dominierende Habitattyp mit dem groessten Flaechenanteil innerhalb einer kartierten Flaeche. Ein Begleitbiotop ist ein untergeordneter Habitattyp, der innerhalb derselben raeumlichen Einheit vorkommt. Komplexflaechen werden ausgewiesen, wenn mehrere Typen zu fein durchmischt sind, um sie zu trennen.
Wie verhaelt sich die BfN Biotopkartierung zur EU-FFH-Richtlinie?
Einige BfN Biotoptypen entsprechen FFH-Lebensraumtypen, die unter EU-Recht geschuetzt sind. Wenn ein kartiertes Biotop einem FFH-Typ entspricht, erfasst der Kartierer den FFH-LRT-Code neben dem BKompV-Code. FFH-Lebensraeume erhalten typischerweise hohe Grundwerte und unterliegen zusaetzlichen gesetzlichen Schutzanforderungen.
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