ERA 2010 Radverkehrsbewertung

Der deutsche Standard zur systematischen Qualitaetsbewertung von Radverkehrsanlagen nach ERA 2010 Sollwerten.

ERA 2010 (Empfehlungen fuer Radverkehrsanlagen) ist die massgebliche deutsche technische Regelung, die den Sollzustand fuer Planung, Entwurf und Betrieb von Radverkehrsanlagen definiert. Herausgegeben von der FGSV (Forschungsgesellschaft fuer Strassen- und Verkehrswesen) legt sie Mindestbreiten, Sicherheitstrennstreifen, Oberflaechenanforderungen und Trennungsabstaende fuer jeden Fuehrungsformtyp vom baulichen Radweg bis zur Fahrradstrasse fest. Die HEBRA-Methodik (Hinweise zur einheitlichen Bewertung von Radverkehrsanlagen) bietet einen maengelorientierten Bewertungsrahmen, der gemessene Abweichungen von ERA-Sollwerten in Verlustpunkte umrechnet, die summiert eine Qualitaetsstufe von A bis F ergeben. Diese Bewertung steuert die Priorisierung von Radinfrastrukturverbesserungen in deutschen Kommunen und Regionen.

ERA 2010 Radverkehrsinfrastruktur-Inspektionsprozess: Abschnitt charakterisieren, Geometrie messen, Oberflaeche bewerten, Einzelstellen erfassen, Sicherheit bewerten, Qualitaetsstufe berechnen

Was ist ERA 2010?

ERA 2010 (Empfehlungen fuer Radverkehrsanlagen) in Verbindung mit der HEBRA-Bewertungsmethodik ist der deutsche Standard zur Bewertung der Qualitaet von Radverkehrsanlagen. Inspektoren messen Breitenkonformitaet, Oberflaechenzustand und Sicherheitsparameter gegen die ERA-Sollwerte und errechnen daraus Verlustpunkte fuer eine Qualitaetsstufe von A (Hoch) bis F (Ungeeignet).

Vollständiger Name
Empfehlungen fuer Radverkehrsanlagen (ERA 2010) mit HEBRA-Bewertungsmethodik
Herausgeber
FGSV (Forschungsgesellschaft fuer Strassen- und Verkehrswesen)
Aktuelle Fassung
ERA 2010 / HEBRA 2021
FUEHRUNGSFORMEN

Fuehrungsformen und Breitenkonformitaet nach ERA 2010

ERA 2010 definiert sieben verschiedene Fuehrungsformen fuer den Radverkehr, jeweils mit spezifischen Sollbreiten und Sicherheitstrennstreifen als Grundlage der HEBRA-Qualitaetsbewertung.

Der ERA 2010-Standard klassifiziert Radverkehrsinfrastruktur in sieben Fuehrungsformen, jeweils mit unterschiedlichen Entwurfsparametern und Mindestbreitenanforderungen. Die Klassifizierung bestimmt die Sollbreite (Soll-Breite), die Inspektoren mit der gemessenen nutzbaren Breite (Nutzbare Breite) bei der Felderfassung vergleichen. Ein Radweg ist eine baulich getrennte Anlage mit eigener Oberflaeche, die eine Sollbreite von 2,00 Metern fuer Einrichtungsverkehr oder 2,50 Metern fuer Zweirichtungsverkehr erfordert. Ein Radfahrstreifen ist ein markierter Fahrstreifen auf der Fahrbahn fuer Radfahrer, typischerweise mit 1,85 Metern Breite. Ein Schutzstreifen ist mit gestrichelter Linie markiert und darf bei Bedarf von Kraftfahrzeugen mitbenutzt werden, erfordert mindestens 1,50 Meter einschliesslich Markierung.

Gemeinsame Geh- und Radwege fuehren Fussgaenger- und Radverkehr auf einer Flaeche und erfordern wegen des Mischnutzungs-Konfliktpotenzials breitere Abmessungen von mindestens 2,50 Metern. Getrennte Geh- und Radwege bieten separate Oberflaechen fuer Fussgaenger und Radfahrer nebeneinander, wobei mindestens 2,00 Meter fuer den Radverkehrsanteil erforderlich sind. Eine Fahrradstrasse gibt dem Radverkehr Vorrang bei begrenztem Kfz-Zugang und erfordert die volle Fahrbahnbreite. Mischverkehr gilt dort, wo Radfahrer die Fahrbahn ohne eigene Infrastruktur mit dem Kfz-Verkehr teilen, bewertet anhand von Verkehrsbelastung und Geschwindigkeitsbegrenzung statt Breitenkonformitaet.

ERA 2010 Fuehrungsformen und Sollbreiten
FuehrungsformBezeichnungSollbreite (m)Merkmal
Baulicher RadwegRadweg2,00 (Einrichtung) / 2,50 (Zweirichtung)Baulich getrennt, eigene Oberflaeche
RadfahrstreifenRadfahrstreifen1,85Markierter Fahrstreifen fuer Radfahrer
SchutzstreifenSchutzstreifen1,50Gestrichelte Markierung, Mitbenutzung moeglich
Gemeinsamer WegGemeinsamer Geh- und Radweg2,50Gemeinsame Fussgaenger-Rad-Fuehrung
Getrennter WegGetrennter Geh- und Radweg2,00 (Radanteil)Nebeneinander Fussgaenger und Rad
FahrradstrasseFahrradstrasseVolle FahrbahnbreiteRadverkehrsvorrang, begrenzter Kfz-Zugang
MischverkehrMischverkehrEntfaelltGemeinsame Fahrbahn ohne eigene Anlage

Sollbreiten stellen ERA 2010 Regelmasse dar. Hoeheres Radverkehrsaufkommen (>1.000 Radfahrer/Tag) erfordert breitere Anlagen. Nutzbare Breite schliesst Bordsteine und Markierungen aus.

Im digitalen Formular waehlt der Inspektor die Fuehrungsform und das System bestimmt die entsprechende ERA-Sollbreite. Die Differenz zwischen Soll- und tatsaechlich gemessener Breite ist der primaere Eingabewert fuer die HEBRA-Verlustpunktberechnung. Breitendefizite machen den groessten Anteil der Verlustpunkte bei den meisten Radinfrastruktur-Bewertungen aus, was eine genaue Messung entscheidend macht. Die Felder Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn und Sicherheitstrennstreifen zu Parkstaenden erfassen die Trennungsabstaende, die Radfahrer vor motorisiertem Verkehr und Tueroeffnungsgefahren schuetzen. ERA 2010 schreibt Mindestsicherheitsstreifen von 0,50 bis 0,75 Metern vor, abhaengig von der angrenzenden Verkehrsgeschwindigkeit und Parkkonfiguration.

Fuer vergleichbare Radinfrastruktur-Bewertungsmethoden siehe den LTN 1/20 CLOS Standard.

OBERFLAECHENZUSTAND

Oberflaechenzustandsbewertung (Zustandsnote nach ZEB)

Die ERA 2010-Bewertung umfasst eine fuenfstufige Zustandsskala, die Fahrqualitaet und bauliche Integritaet der Radwegoberflaeche bewertet.

Die Oberflaechenzustandsbewertung nach ERA 2010 verwendet eine fuenfstufige Notenskala, die vom deutschen Strasseninspektionssystem (ZEB - Zustandserfassung und -bewertung) abgeleitet und fuer Radverkehrsoberflaechen angepasst wurde. Note 1 (Neuwertig / Sehr gut) steht fuer neuwertigen Zustand mit glatter, defektfreier Oberflaeche bei optimalem Fahrkomfort. Auf dieser Stufe ist das Oberflaechenmaterial intakt ohne sichtbare Risse, Setzungen oder Verschleissmuster. Note 2 (Gut) zeigt geringen Verschleiss an, der Fahrkomfort und Sicherheit nicht beeintraechtigt. Leichte Oberflaechenabnutzung oder minimale Fugenaufweitung bei Pflasteroberflaechen fallen in diese Kategorie. Die Oberflaeche bleibt voll funktionsfaehig und erfordert nur Routineueberwachung.

Note 3 (Befriedigend) markiert den Uebergangspunkt, an dem Oberflaechenmaengel den Fahrkomfort beeinflussen. Geflickte Bereiche, leichte Unebenheiten durch Wurzelwuchs unter 2 Zentimetern und maessige Fugenverschwlechterung bei Pflasteroberflaechen sind typische Indikatoren. Auf dieser Stufe bemerken Radfahrer die Oberflaeche, koennen aber sicher bei normaler Geschwindigkeit fahren. Note 4 (Ausreichend) stellt einen Zustand dar, in dem der Fahrkomfort merklich beeintraechtigt ist. Risse, Wurzelhebungen zwischen 2 und 5 Zentimetern, lose Pflastersteine und erhebliche Oberflaechenrauheit reduzieren die Fahrgeschwindigkeit und koennen Unbehagen verursachen. Diese Note loest die Planung einer Oberflaechensanierung aus. Note 5 (Mangelhaft) zeigt eine Sicherheitsgefaehrdung an. Schlagloecher, Wurzelhebungen ueber 5 Zentimeter, grosse Bereiche mit losem Material und stark unebene Oberflaechen machen die Anlage gefaehrlich oder unbenutzbar. Sofortiges Handeln ist erforderlich.

ERA 2010 Oberflaechenzustandsnoten (ZEB-basiert)
NoteBezeichnungBeschreibungIndikatoren
1NeuwertigNeuzustand, glatte OberflaecheKeine Defekte
2GutGeringer VerschleissKein Einfluss auf Fahrkomfort
3BefriedigendFlickstellen, leichte UnebenheitenAkzeptabler Komfort
4AusreichendRisse, Wurzelhebungen <5 cmKomfort merklich beeintraechtigt
5MangelhaftSchlagloecher, Wurzelhebungen >5 cmSicherheitsgefaehrdung

Die Oberflaechenzustandsnote wird visuell vor Ort erfasst und beeinflusst direkt die Verlustpunktberechnung der HEBRA-Methodik.

Das Feld Ebenheit ergaenzt die Zustandsnote mit einer dreistufigen Bewertung der Oberflaechenrauheit: Glatt, Rau und Sehr rau. Dieses subjektive Mass erfasst das Fahrvibrationserlebnis, das in der visuellen Zustandsnote allein moeglicherweise nicht vollstaendig abgebildet wird. Beispielsweise kann eine Natursteinpflasteroberflaeche eine Zustandsnote 2 fuer bauliche Intaktheit erhalten, waehrend sie bei der Ebenheit als Sehr rau bewertet wird aufgrund inhaaerenter Materialeigenschaften. Die Entwaeserungsdefekt-Anzeige erfasst, ob Stauwasser oder mangelhafte Entwaesserung den Abschnitt betrifft, ein kritischer Sicherheitsfaktor bei Naesse.

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VERLUSTPUNKTE

Verlustpunkte: Wie sie die Qualitaetsstufe bestimmen

Das HEBRA-Verlustpunktsystem ist der methodische Kern der ERA 2010-Qualitaetsbewertung und wandelt gemessene Abweichungen von Sollwerten in eine sechsstufige Qualitaetsstufenklassifizierung um.

Was die ERA 2010 / HEBRA-Bewertung von subjektiven Infrastrukturbewertungen unterscheidet, ist ihre maengelorientierte Punktvergabe durch Verlustpunkte. Statt Inspektoren zu bitten, einen allgemeinen Qualitaetseindruck zu vergeben, verlangt die Methodik praezise Messungen von Schluesselparametern, die gegen ERA 2010-Sollwerte verglichen werden. Jede Abweichung vom Sollwert erzeugt Verlustpunkte proportional zu ihrer Groesse, gewichtet nach ihrem Einfluss auf Fahrsicherheit und Komfort. Das Breitendefizit ist der am staerksten gewichtete Parameter. Wenn ein baulicher Radweg 1,60 Meter bei einer Sollbreite von 2,00 Metern misst, erzeugt der 0,40-Meter-Fehlbetrag Verlustpunkte gemaess einer definierten Uebertragungsfunktion. Kleine Abweichungen nahe dem Sollwert erzeugen wenige Verlustpunkte, waehrend starke Einengung ueberproportional mehr erzeugt, was den exponentiellen Anstieg des Konfliktrisikos bei abnehmendem Nutzraum widerspiegelt.

Sicherheitstrennstreifendefizite werden separat fuer die Fahrbahn- und die Parkseite bewertet. Ein fehlender oder unzureichender Sicherheitstrennstreifen zu Parkstaenden ist besonders kritisch, da er Radfahrer Tueroeffnungskollisionen (Dooring) aussetzt, einem der haeufigsten Radverkehrsunfalltypen im staedtischen Bereich. ERA 2010 fordert mindestens 0,50 Meter, wobei 0,75 Meter empfohlen werden, wo hohe Parkwechselfrequenz besteht. Oberflaechenzustandsnoten ueber 3 erzeugen steigende Verlustpunkte, wobei Note 5 die Hoechststrafe ergibt. Die Ebenheitsbewertung, Entwaesserungsmaengel, Wegweisungsqualitaet und Sichtbeziehungen an Knotenpunkten tragen weitere Verlustpunkte bei. Jeder Parameter hat einen definierten Maximal-Verlustpunktwert, der sicherstellt, dass kein einzelner Mangel die Gesamtbewertung ueber seinen tatsaechlichen Sicherheitseinfluss hinaus dominieren kann.

HEBRA-Qualitaetsstufen
StufeSymbolQualitaetBeschreibung
A++Hohe QualitaetUebertrifft ERA-Standards, minimale oder keine Verlustpunkte
B+Gute QualitaetErfuellt ERA-Standards vollstaendig
CoGrundqualitaetGeringfuegige Abweichungen, akzeptabel
D-MangelhaftErhebliche Abweichungen, Verbesserungsplanung erforderlich
E--SchlechtSchwere Sicherheits- oder Komfortdefizite, prioritaeres Handeln
F---UngeeignetGefaehrlich oder unbenutzbar, sofortiges Handeln erforderlich

Qualitaetsstufen werden durch die akkumulierten Verlustpunkte bestimmt. Die Schwellenwerte sind in der HEBRA-Methodik (2021) definiert.

Die akkumulierten Verlustpunkte eines Abschnitts werden summiert und einer von sechs Qualitaetsstufen (A bis F) zugeordnet. Stufe A (Hohe Qualitaet, ++) bedeutet, dass die Anlage ERA-Standards uebertrifft mit null oder minimalen Verlustpunkten. Stufe B (Gute Qualitaet, +) zeigt volle ERA-Konformitaet an. Stufe C (Grundqualitaet, o) zeigt geringfuegige Abweichungen, die Sicherheit oder Komfort nicht wesentlich beeinflussen. Stufe D (Mangelhaft, -) signalisiert erhebliche Defizite, die Verbesserungsplanung erfordern. Stufe E (Schlecht, --) stellt schwere Sicherheits- oder Komfortdefizite dar, die prioritaeres Eingreifen erfordern. Stufe F (Ungeeignet, ---) bedeutet, dass die Anlage gefaehrlich oder unbenutzbar ist und sofortige Sperrung oder Neubau erfordert. Deutsche Kommunen nutzen die Qualitaetsstufenverteilung ihres Radnetzes zur Priorisierung von Investitionen und Verfolgung von Verbesserungen ueber die Zeit.

Fuer eine vergleichbare Fahrbahnqualitaetsbewertung im deutschen Strassennetz siehe den FGSV E EMI Fahrbahnstandard.

SICHERHEITSMAENGEL

Verkehrssicherheit und Einzelstellenerfassung

Neben den abschnittsbezogenen Messungen erfasst die ERA 2010-Bewertung spezifische Sicherheitsparameter und lokalisierte Maengel, die Punktgefahren entlang der Radroute darstellen.

Die Verkehrssicherheitsbewertung evaluiert drei kritische Parameter, die die Radfahrsicherheit unabhaengig von den geometrischen und Oberflaechenmessungen beeinflussen. Das Feld Wegweisung erfasst, ob Radverkehrswegweisung vorhanden und funktionsfaehig ist. Die Optionen reichen von Vorhanden und Maengelfrei ueber Vorhanden und Mangelhaft bis Fehlt. Fehlende oder mangelhafte Wegweisung beeintraechtigt besonders die Netzfunktion fuer ortsunkundige Radfahrer und traegt zur Routendiskontinuitaet bei, die ein primaeres Hindernis fuer die Radverkehrsfoerderung in deutschen Staedten darstellt. Das Feld Sichtbeziehung bewertet, ob ausreichende Sichtlinien an Zufahrten, Nebenstrassen und Knotenpunkten entlang des Abschnitts bestehen. Eingeschraenkte Sicht ist ein wesentlicher Unfallrisikofaktor, insbesondere wo Radwege hinter parkenden Autos oder Vegetation verlaufen.

Das Feld Hindernisse verwendet eine Mehrfachauswahl zur Erfassung physischer Objekte, die die effektive Radverkehrsbreite einengen. Poller, Umlaufschranken, Muelltionnen und Bewuchs sind haeufige Hindernisse. Jeder Hindernistyp stellt ein unterschiedliches Gefaehrdungsprofil dar. Poller und Umlaufschranken sind absichtlich platziert, schaffen aber oft gefaehrliche Engstellen fuer Lastenraeder und Anhaenger. Bewuchsuebergriff reduziert die nutzbare Breite schrittweise ueber den Unterhaltungszyklus und ist der haeufigste umkehrbare Hindernistyp.

Einzelstellen werden als wiederholbare Eintraege erfasst, sodass Inspektoren mehrere lokalisierte Gefahren entlang eines Abschnitts dokumentieren koennen. Jede Einzelstelle erfasst den Mangeltyp aus vier Kategorien: Engstelle fuer Stellen, an denen die Breite unter den Abschnittsdurchschnitt faellt, Wurzelschaden fuer Baumwurzelhebung an der Oberflaeche, Schlagloch fuer Punktsenkungen und Sonstiges fuer nicht aufgelistete Gefahren. Das Feld Messwert erfasst die spezifische Dimension des Mangels, etwa die eingeschraenkte Breite einer Engstelle in Metern oder die Tiefe eines Schlaglochs. Fotobelege koennen jedem Einzelstellenmangel fuer Dokumentation und spaetere Verifizierung bei der Verbesserungsplanung beigefuegt werden.

Fuer baumbezogene Infrastrukturschadensbewertung siehe den FLL Baumkontrolle Standard.

INSPEKTIONSPROZESS

Ablauf einer ERA 2010 / HEBRA Feldinspektion

Die ERA 2010-Bewertung folgt einem strukturierten abschnittsbasierten Arbeitsablauf von der Charakterisierung ueber die Messung bis zur Qualitaetsklassifizierung.

Eine ERA 2010 / HEBRA-Feldinspektion beginnt mit der Abschnittscharakterisierung, bei der der Inspektor den zu bewertenden Streckenabschnitt definiert. Die Abschnitts-ID identifiziert jeden Netzabschnitt eindeutig in der Radverkehrsnetz-Datenbank. Die Ortslage unterscheidet zwischen innerstaedtischen (Innerorts) und ausserstaedtischen (Ausserorts) Abschnitten, was entscheidend ist, da ERA-Breitenanforderungen und Sicherheitsstandards zwischen diesen Kontexten erheblich variieren. Innerstaedtische Abschnitte weisen hoeheres Konfliktpotenzial durch Zufahrten, Fussgaenger und Parken auf, waehrend ausserstaedtische Abschnitte hoehere Fahrgeschwindigkeiten und laengere Sichtweiten priorisieren.

Der Inspektor erfasst die Fuehrungsform zur Bestimmung der ERA-Sollbreite und misst dann die tatsaechliche nutzbare Breite ohne Bordsteine und Markierungen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung und Verkehrsbelastung (DTV MIV) des angrenzenden motorisierten Verkehrs bestimmen das Belastungsniveau fuer Mischverkehrs- und Schutzstreifenbewertungen. Eine Tempo-30-Zone mit weniger als 2.000 Fahrzeugen pro Tag kann fuer Mischverkehr akzeptabel sein, waehrend eine Tempo-50-Strasse mit ueber 10.000 Fahrzeugen pro Tag getrennte Infrastruktur erfordert. Die Oberflaechenbewertung folgt mit Materialidentifikation, Zustandsbenotung, Ebenheitsbewertung und Entwaesserungspruefung.

Nach der abschnittsbezogenen Bewertung begeht oder befaehrt der Inspektor den Abschnitt zur Identifikation und Erfassung von Einzelstellen. Jede Engstelle, jeder Wurzelschaden, jedes Schlagloch oder sonstige lokalisierte Gefahr wird mit Typ, Messwert, Beschreibung und Foto dokumentiert. Abschliessend werden die Sicherheitsparameter bewertet: Wegweisungszustand, Sichtbeziehungen und Hindernisprasenz. Das digitale Formular berechnet Verlustpunkte aus allen erfassten Parametern unter Anwendung der HEBRA-Gewichtungsfaktoren und erzeugt die Qualitaetsstufenklassifizierung. Die vollstaendige Bewertung eines typischen 500-Meter-Radverkehrsabschnitts dauert je nach Maengeldichte und Komplexitaet 20 bis 40 Minuten.

Der ERA 2010-Standard wird herausgegeben von der FGSV (Forschungsgesellschaft fuer Strassen- und Verkehrswesen). Forschung zur HEBRA-Methodik wurde veroeffentlicht von der Technischen Universitaet Muenchen (TUM).

FRAGEN

Häufig gestellte Fragen

Was ist ERA 2010?

ERA 2010 (Empfehlungen fuer Radverkehrsanlagen) ist die deutsche technische Regelung, die Soll-Entwurfsparameter fuer Radverkehrsinfrastruktur definiert. In Verbindung mit der HEBRA-Bewertungsmethodik bietet sie einen standardisierten Rahmen zur Bewertung der Radverkehrsanlagenqualitaet durch Messung von Abweichungen bei Breiten, Oberflaechenzustand und Sicherheitsparametern.

Was sind Verlustpunkte in der HEBRA-Methodik?

Verlustpunkte sind der Bewertungsmechanismus der HEBRA-Methodik. Jede gemessene Abweichung von ERA 2010-Sollwerten erzeugt Verlustpunkte proportional zur Defizitgroesse. Punkte werden nach Sicherheitseinfluss gewichtet und summiert, um die Qualitaetsstufe von A (Hoch) bis F (Ungeeignet) zu bestimmen.

Was ist der Unterschied zwischen ERA 2010 und LTN 1/20?

ERA 2010 ist der deutsche Standard fuer Radverkehrsinfrastruktur-Entwurf und -Bewertung, waehrend LTN 1/20 (Cycle Infrastructure Design) das britische Aequivalent ist. Beide definieren Mindestbreiten und Sicherheitsparameter, aber ERA verwendet das HEBRA-Verlustpunktsystem fuer quantitative Qualitaetseinstufung, waehrend LTN 1/20 das CLOS-Bewertungsrahmenwerk nutzt.

Wie viele Qualitaetsstufen definiert HEBRA?

HEBRA definiert sechs Qualitaetsstufen: A (Hohe Qualitaet, uebertrifft ERA), B (Gut, erfuellt ERA), C (Grundqualitaet, geringfuegige Abweichungen), D (Mangelhaft, erhebliche Defizite), E (Schlecht, schwere Defizite) und F (Ungeeignet, gefaehrlich oder unbenutzbar). Die Stufe wird durch akkumulierte Verlustpunkte bestimmt.

Welche Fuehrungsformen deckt ERA 2010 ab?

ERA 2010 definiert sieben Fuehrungsformen: Radweg (baulicher Radweg), Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Gemeinsamer Geh- und Radweg, Getrennter Geh- und Radweg, Fahrradstrasse und Mischverkehr. Jede Form hat spezifische Sollbreiten und Bewertungskriterien.

Ist ERA 2010 in Deutschland rechtsverbindlich?

ERA 2010 ist eine technische Empfehlung, kein bindendes Regelwerk. Sie wird jedoch weithin als anerkannte Regeln der Technik angesehen und in Gerichtsurteilen, Foerderkriterien und kommunalen Planungsrichtlinien referenziert, was die Einhaltung bei oeffentlich finanzierten Projekten faktisch verpflichtend macht.

Wie oft sollte eine ERA 2010 / HEBRA-Bewertung durchgefuehrt werden?

HEBRA-Bewertungen werden typischerweise alle 3 bis 5 Jahre durchgefuehrt, um Qualitaetsveraenderungen zu verfolgen und Verbesserungen neu zu priorisieren. Kommunen stimmen Radinfrastruktur-Bewertungen oft mit ihren Strassenzustandserfassungszyklen ab. Haeufigere Bewertung kann nach groesseren Bau- oder Verbesserungsprojekten erfolgen.

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